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GERLINDE BURKHARDT | 22.11.2011Gaildorf. So etwas habe die IG Kunst bei ihren Vernissagen noch
nicht gehabt, sagte ihr Vorsitzender Schwarz mit Blick auf Albrecht Gschwindt
und Uwe Schneider. Die Musiker stahlen der Stadtmalerin fast die Show.
Sein Regieplan sei durch den verfrühten Einsatz der "Stimmungsmusik" und den
- spontan? - von Martin Zecha organisierten "Einmarsch" einiger Werke der
Künstlerin etwas durcheinandergeraten, meinte Manfred Schwarz im Auftakt-Trubel
wieder Orientierung findend. Den eher allgemein gehaltenen Worten des
Vorsitzenden der IG Kunst folgten Interims-Stadtoberhaupt Ulrich Bartenbachs
Stellung nehmende Ausführungen als "Arbeitgeber". "Stets zur vollsten
Zufriedenheit" könnte man seine Laudatio von seitens der Stadt interpretieren
mit erwartungsvollem Seitenblick auf die neue Stadtmalerin Daniela Weber. Für
sie liegt die Messlatte nun ziemlich hoch.
Für Heike Walters Fleiß, ihre Freundlichkeit aber auch dafür, dass sie Teile
ihrer Verkaufserlöse für soziale Zwecke wie die Initiative Gaildorf hilft Afrika
zur Verfügung stellte, sprach er seine Anerkennung aus. Zuvor hatten die beiden
Musiker mit ihrem Italo-Medley das Publikum aufgemischt. Leidenschaftlich,
unbefangen sang Uwe Schneider perfekt schrift-italienisch Adriano Celentano auf
der Spur und Albrecht Gschwindt spielte noch eine Spur leidenschaftlicher eins
mit seinem Akkordeon. Den Percussion-Part erledigte er gleichzeitig mit seinen
Stiefelabsätzen auf dem Resonanzkasten des Parkettpodests.
Den Werdegang der Künstlerin und ihre rasante Fortentwicklung von der
"Zeichnerin zur malenden Zeichnerin" während ihrer Zeit in Gaildorf schilderte
Martin Zecha in seiner Einführung. Von anfänglichem "Kreuz- und Quer- Studieren"
zum abschließenden doppeltem, jeweils mit Auszeichnung bestandenen "Master of
European Fine Art"-Abschluss, und von der Bewerbung mit zeichnerischen schwarz-
weiß-Tagebüchern bis zur Abschlussausstellung mit überwiegend knallbunter
Malerei. In der Stadtbücherei habe sie sich das Buch ausgeliehen "Wie male ich
Öl" und mit neuerlicher Lektüre von "Das Kochbuch der Ölmalerei" wolle sie
diesen Weg auch zukünftig weitergehen. Nicht nur sie hinterlässt Spuren, auch
Gaildorf in ihr.
Anhand einer "Schachtelwelt"-Collage wies Zecha auf die vielen Gaildorf-Symbole hin, den intensiven Bezug zur Stadt und ihren teilweise porträtierten Menschen, wobei die Bügelflasche der hiesigen Brauerei eine herausragende Stellung einnimmt. Zecha bediente sich dazu eines Zitats des RUNDSCHAU-Berichts: "Was für Raphael die Putten, sind für Heike die Häberlen-Flaschen." So wurde dann beim anschließenden drangvollen Bummel durch die Ausstellung mehrheitlich nicht Sekt geschlürft, sondern man genehmigte sich genussvoll ein Bierchen. Vielen, die Heike Walter in Gaildorf kennengelernt haben, einige gesellten sich auf die Bühne, sprachen die Musiker mit ihrem letzten Lied aus dem Herzen: "Schön war die Zeit."
KARL-HEINZ RÜCKERT | 13.09.2011Was für Raffael die Putten waren ...
Ausstellung : Heike Walter,
Gaildorfer Stadtmalerin Nr. 11,
zeigt Ölgemälde im Häberlen
Gaildorf. Mit einer Vernissage zur Gemäldeausstellung von
Stadtmalerin Heike Walter hat am Freitag die Saison in der Gaildorfer
Kulturschmiede begonnen.
Die Kulturschmiede im Häberlen wird künftig freitags geöffnet sein und an
diesem Tag auch zu einem Künstlerstammtisch einladen. Darauf wies Carola
Kronmüller von der Kulturschmiede hin, als sie die Gäste begrüßte, die zur
Eröffnung der Ausstellung von Heike Walter erschienen waren.
Der Ölmalerei hat sich die amtierende, elfte Gaildorfer Stadtmalerin erst vor
drei Monaten verschrieben. Davor liegen zwanzig Jahre professionelles
künstlerisches Arbeit. Kurz und knapp umriss Martin Zecha von der IG Kunst die
Schaffensperioden von Heike Walter.
Studien in Philosophie, Kunstgeschichte und Theaterwissenschaften standen am
Beginn ihrer Künstlerkarriere. Den Grundstein dazu legte die Malerin mit
Kunststudium und Diplom an der Bremer Hochschule für Künste. Mit einem Masters
of Arts in Barcelona, einem Stipendium in Southhampton und in unzähligen
internationalen Ausstellungen perfektionierte Heike Walter ihr künstlerisches
Fach und erwarb große Anerkennung. Seit 2000 engagiert sie sich auch im Berliner
"Kulturpalast Wedding".
Druckgrafik und Zeichnen bestimmten den Wechsel hin zur konzeptionellen
Kunst. Was die Künstlerin darunter versteht, verriet Martin Zecha: Heike Walter
führt ein Tagebuch, unterteilt in 40 Kategorien aus Aktivitäten und
Befindlichkeiten. Je nach Intensität und Wertigkeiten entstehen dazu Farben und
Töne, die in Skulpturen, Karten und Bücher umgesetzt werden.
Auch die Gaildorfer Jury war von den Ideen beeindruckt, als Heike Walter für
das Stadtmaler-Stipendium ausgewählt wurde - "es war ein guter Griff!"
Die in der Kulturschmiede ausgestellten Bilder zeugen auch von einer gewissen
selbstironischen Sicht der Künstlerin. In witzigen Selbstportraits im Stil der
Werbung der 50er- und 60-er Jahre stellt sie sich auch als Flasche vor. Apropos
Flasche: Zecha entdeckte, dass in allen ausgestellten Werken irgendwo eine
Häberlen-Flasche auftaucht. Hinter einem Aufbau aus Bierkästen als Pultersatz,
deutete er dies so: "Was für Raffael die Putten, ist für Heike die
Häberlenflasche."
Wenn Zecha damit auch Heiterkeit im Publikum hervorrief, traf er doch die
Darstellungen in den ausgestellten Bildern. Entwickelte und abgeschlossene Werke
werden von Heike Walter neu zusammengefügt, wodurch sich Einflüsse von der Kunst
des Mittelalters bis in die Moderne ergeben. Respektlos habe die Malerin eine
neue Tür aufgestoßen, so Zecha überzeugt: "Du wirst Deinen Weg gehen!"
Info Die Bilder, die Heike Walter im Häberlen zeigt, können auch gekauft
werden. Zehn Prozent aus dem Verkaufserlös spendet die Stadtmalerin der Aktion
"Gaildorf hilft Afrika".
RICHARD
FÄRBER | 08.09.2011
Stadtmalerin Heike Walter zeigt neue Ölgemälde
Mit Dürer im Tattoo-Studio
Gaildorf. Heike Walter, die elfte Gaildorfer Stadtmalerin hat den
Zeichenstift gegen den Pinsel getauscht. Ab Freitag zeigt sie die Ergebnisse im
Häberlen.
"Das Schimpfwort lautet Eklektizismus" sagt Heike Walter über den Malstil,
den sie seit Juli i ihrem Atelier im Alten Schloss in Gaildorf entwickelt hat
und pflegt. Heißt: Sie macht nichts Neues. Die elfte Stadtmalerin bedient sich
tradierter, auch historischer Stilmittel, und das tut man nicht, zumindest nicht
in bestimmten Kreisen. Auch dass sie bisweilen Fotografien als Vorlage für ihre
Ölgemälde verwendet gilt, kunstakademisch-dogmatisch genommen, als unstatthaft,
wo nicht unanständig.
Der Stadtmalerin ist das Jacke wie Hose. Nicht die Nachahmung, die
Geistesverwandtschaft bringt ihre Kunst zum Blühen, und große Namen schrecken
sie nicht. Renaissancemeister wie Holbein, Raffael und Dürer - vor allem Dürer,
der, meint Heike Walter, heute wohl ein Tattoo-Studios betreiben würde ("und ich
würd ihm dabei helfen") - sind ihre Begleiter auf dem Weg zum Bild. Mit Skizzen
nach Renaissance-Portäts hat sie begonnen, die sie probe- und stellenweise
kolorierte, ehe sie die erste Leinwand aufspannte und zur Farbtube griff.
Ihre Renaissance-Genossen sind, zumal in den großen Gemälden, allgegenwärtig:
In Gesten und Haltung der abgebildeten Personen, in Fischen und Fabel-Untieren,
Gegenständen, der Bildarchitektur. Die Gemälde gleichen Traumlandschaften, sie
sind irreal und voller Geschichten, Symbole und Beobachtungen die ineinander
verwoben sind und wohl nicht von ungefähr an die Leipziger Schule erinnern.
Das Limpurger Land ist übrigens allgegenwärtig. Beispielsweise durch die
Verschlussbügel der Häberlen-Flaschen. Die könne sie, grinst Heike Walter,
mittlerweile aus allen Perspektiven malen - wie weiland Raffael seine Putten,
die selbstredend ebenfalls durch einige ihre Bilder schwirren.
Ihre ganz großen Bilder wird Heike Walter bei ihrer Ausstellung im Häberlen
nicht zeigen. Sie habe kleinere Leinwände bestellt, die für die Räumlichkeiten
besser geeignet seien, sagt sie. Dominieren wird das Porträt, das Selbstporträt
zumal, im Wortsinn aufgebrezelt oder, zur Erinnerung an die
Fünziger-Jahre-Emaille-Werbeschilder, mit Häberlen-Bügelflaschenmütze. Zwei der
Bilder habe man ihr quasi schon unterm Pinsel weggekauft, sagt sie, die anderen
seien aber noch zu haben. Zehn Prozent der Einnahmen kommen der Aktion "Gaildorf
für Afrika" zugute.
IRMTRAUD KOCH | 16.03.2011
"Keine Sekunde allein"
Gaildorf.
Das "offene Atelier" der Gaildorfer Stadtmalerin Heike Walter lockte
mit dem Charme eines Sammelkabinetts interessierte Besucher ins Alte Schloss.
Auch ihr Künstlerfreund Henrik Jacob begeisterte.
Da war das Atelier noch lange nicht aufgeräumt. Den einen Raum hat die Stadtmalerin Henrik Jacob abgetreten, den anderen mit Eigenem eingerichtet. Die Ausstellung hatte den Charme eines verwirrend reichen Sammelkabinetts, in dem der Betrachter seinen ersten Bezugspunkt finden muss: In beiden Räumen Wände mit kleinflächigen Arbeiten dicht an dicht, die zu Betrachtung aus der Nähe aufrufen. Die zeichnerischen Skizzen Heike Walters verraten zum Teil ihre Liebe zu mittelalterlichen Gestaltungselementen wie Chimären und Fratzen als bauliche Schmuckelemente und Handschriften mit Initialen, die mit "lächerlichen Darstellungen wie ein auf dem Rücken liegender Hund" verziert sind. Daher entdeckt man auch in einer Ecke des Ateliers nebst einigen Dezimetern Poe, Umberto Ecos "Im Namen der Rose".
Einige Skizzen bannte die Künstlerin auf Papiermuster, die
aus dem Haushalt des Vellberger Lügendoktors Basil von Leydelius stammen (weder
Titel noch Adel stimmen, doch ist dies eine andere Geschichte). Insgesamt
setzten sich die Besucher bei den Arbeiten Walters vor allem mit den Inhalten
auseinander. Henrik Jacob, der neben Porträts "Alltägliches, möglichst Banales"
darstellt, musste mehr Fragen zu angewandten Techniken, vor allem seiner
Knete-Abziehbilder, beantworten. Jacob: "Die brauchen keine Signatur, mein
Daumenabdruck steht vielfältig drauf".
RICHARD
FÄRBER | 10.03.2011
Schauen und Reden im Atelier
Gaildorf. Die elfte Gaildorfer Stadtmalerin stellt
sich vor: Am Sonntag lädt Heike Walter mit Gastkünstler Henrik Jacob zum Tag des
offenen Ateliers.
Nummer elf zeichnet: Heike Walter, seit Januar amtierende Gaildorfer
Stadtmalerin, hat, wie die meisten ihrer Vorgängerinnen und Vorgänger, das Sujet
gewechselt: Statt wie in den letzten Jahren ihre Tagesformen zu Bildern zu
transformieren, schürft sie Gaildorf-Bilder und -Themen: Pferde natürlich,
Stadt-Impressionen, Herz-Studien nach Zeichnungen, die sie in einem alten
Anatomiebuch gefunden hat - und irgendwie hat in der Beschriftung von
Herzschlagadern auch schon die gesplittete Abwassergebühr Einzug in ihr Werk
gehalten. Eine Dauererzählung, die zunehmend von Gaildorf handelt, versprechen
auch "Frl. Walters Weltkarten" zu werden. Fünf großformatige Reispapierbögen hat
die Stadtmalerin bereits mit assoziativen Zeichnungen gefüllt; nun droht das
Papier auszugehen, sie warte auf Nachschub, sagt Heike Walter.
Derzeit hat die Stadtmalerin Besuch: Ihr Künstlerkollege Henrik Jacob ist zu
Gast und arbeitet ebenfalls im Atelier im Alten Schloss. Henrik Jacob spielt mit
Reproduktionstechniken, paust beispielsweise mit leerem Kugelschreiber gedruckte
Bilder aus Zeitschriften auf spezielles Papier oder knetet Knetmassepartikel auf
Porträtfotografien - abgezogen ergeben sich plastische Kopfbilder, die beinahe
fotorealistisch anmuten.
Bericht: Richard Färber 20.12.2010
Heike Walter wird elfte Gaildorfer
Stadtmalerin - Künstlerin aus Berlin will Anfang Januar einziehen.
Fliegender Wechsel im Alten Schloss in Gaildorf.
Ab Anfang Januar wird Heike Walter dort leben und arbeiten. Sie löst den
Stadtmaler Dirk Pokoj ab.
Gaildorf.
Von Gaildorf hat Heike Walter bisher eigentlich keine Notiz genommen. Die
Künstlerin, die ursprünglich aus dem Mittelfränkischen stammt, lebt und arbeitet
seit zehn Jahren in Berlin. Allerdings hat die Anzeige zum
Stadtmaler-Stipendium, die in diesem Jahr in der Zeitschrift „Atelier"
erschienen ist, dann doch ihr Interesse geweckt. Die 45-Jährige schickte ihre
Bewerbung ein und überzeugte. Am vergangenen Montag hat sie sich im Rathaus
vorgestellt und wurde von Bürgermeister Ralf Eggert offiziell begrüßt. Heike
Walter will das Stipendium, das nun zum elften Mal vergeben wurde, so schnell
wie möglich im Januar antreten. Anders als ihr Vorgänger Dirk Pokoj, der
lediglich das Atelier im Alten Schloss nutzte, wird sie auch die blitzblank
renovierte Wohnung im Torturm beziehen. Die Wohnung wurde zwischenzeitlich mit
einigen Möbeln ausgestattet, die der Holzkünstler Stefan Vollrath geschaffen
hat.
An das
Stadtmaler-Stipendium, das der früher in Gaildorf lebende Künstler Diethelm
Reichart ausgeheckt hat, sind keine Bedingungen geknüpft. Die Künstler können im
Schloss wohnen, das Atelier und bei Bedarf auch die Garage im Schlosshof nutzen,
und sie erhalten ein monatliches Taschengeld. Alles weitere, das zeigt die
langjährige Erfahrung, wird sich ergeben. Einen Wunsch aber hat Bürgermeister
Eggert dann doch an die neue Stadtmalerin gerichtet: Er würde es begrüßen, wenn
Heike Walter auch im „öffentlichen Raum", also im Schlosshof aktiv werden würde:
Hier gibt's Kontakt, hier lernt man sich kennen, hier bieten sich Ansätze der
künstlerischen Auseinandersetzung mit der neuen Umgebung. Das passt, denn Heike
Walter, die zur großen Familie der Konzeptkünstler zählt, tut nichts Anderes.
Ihre Kunst sei Reaktion, Reflektion von Alltagssituationen sagte sie im Gespräch
mit der RUNDSCHAU. Seitzehnjahren führt sie ein künstlerisches Tagebuch
beziehungsweise ein „Bewertungsbuch", das aus einer Punkteskala und vierzig
Kategorien besteht. Und mit den gewonnenen Datenmengen arbeitet sie dann,
fertigt Zeichnungen, Bücher und topografische Modelle, setzt Musik - eine
„Jahresdurchschnittsform" ist auch zum Sofa geworden.
Eigentlich habe sie damit abschließen wollen, sagt Heike Walter, ganz aufhören
aber werde sie wohl nicht. Jetzt freut sie sich auf neue Datenmengen, geliefert
von der Schenkenstadt und ihren Bewohnern.