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Erste Amtshandlung Gaildorf. Die Gaildorfer Stadtmalerin Daniela Weber
war gestern erstmals amtlich unterwegs: Die Kinder des Kindergarten Großaltdorf
bestaunten ihre Hundebilder und fragten sie Löcher in den Bauch. Für Daniela Weber ist
Gaildorf derzeit vor allem eine Hundestadt. Das liegt an Jeremy, ihrer
vierbeinigen Muse, und an dessen vielen neuen Bekannten, die von der
Stadtmalerin fotografiert, teilweise auch gemalt wurden. Und auf dem
historischen Foto des Grafen Gottfried hat sie das "Bürschle von der Blau" vom
Hocker stibitzt und durch Jeremy ersetzt; der längst verblichene Graf und der
quicklebendige Mischling wirken auf der Montage wie alte Kumpels. Die beiden Fotos, das alte
und das "frisierte", hat Daniela Weber zu den anderen Hundebildern an die Wand
des neuen Spielzimmers im Kindergarten Großaltdorf gehängt, wo sie aber kaum
Beachtung finden. Die Mäuse- und die Käferkinder finden die vielen verschiedenen
Hundepersönlichkeiten auf den Fotos viel interessanter, küren ihre persönlichen
Lieblinge, und finden nach und nach heraus, dass es den Beagle gleich mehrmals
gibt, sogar als Gemälde, und dass da noch vier vortreffliche Charakterporträts
von Jeremy hängen, die Daniela Weber pingeligst mit der Stahlnadel gezeichnet
hat. Der Besuch - Webers erste
Amtshandlung als Stadtmalerin - kommt nicht von ungefähr. Die 51 Drei- bis
Sechsjährigen des Großaltdorfer Kindergartens haben ein Projekt mit dem Titel
"Die Welt ist voller Farben" begonnen. Das ist wörtlich zu nehmen: Zwar wird
auch gemalt, im Wesentlichen aber geht es darum, die Welt der Farben zu
entdecken und auch die Menschen, die sich mit Farben beschäftigen - Künstler zum
Beispiel. Und nachdem das Team um Kindergartenleitern Uta Michael die
RUNDSCHAU-Berichte über die zwölfte Stadtmalerin studiert hatte, fiel eine
Entscheidung: "Ich ruf da jetzt an", sagte die Praktikantin Tatjana Eichele.
Gaildorf. Jeremy will nichts als seine Ruhe. Die
kann er in Gaildorf haben. Sein Frauchen ist mit ihm von Berlin hierher
übergesiedelt. Sie ist die Stadtmalerin. Gemütlich trottetet er über die Kocherbrücke, ohne Leine. In Berlin darf er
als freier Hund laufen. In Gaildorf ist das ein zweifelhaftes Vergnügen, wie er
gestern bei einer Begegnung mit einem ungemütlichen Schäferhund feststellen
musste. Um Martin Zechas Blumenladen macht er auch schon einen großen Bogen. Den
Laden bewacht eine wehrhafte Katze. Was helfen 35 Kilo Lebendgewicht gegen gut
geschärfte Krallen. . . - Der Empfang für Frauchen gestern Nachmittag im Rathaus
war dagegen ganz nach Jeremys Geschmack. Er hatte - bis auf den Fototermin -
seine Ruhe. Es ging nur um Frauchen. Er ist lediglich ihr Markenzeichen. Als 12.
Stadtmalerin hat sie ein Stipendium für ein Jahr und keinerlei Verpflichtungen,
theoretisch zumindest. Im Häberlen kann sie mal öfter ausstellen und bei der IG
Kunst. Beim Empfang kommt ziemlich schnell die Rede auf ihre Vorgängerin Heike
Walter. Sie hat die Messlatte hoch gelegt, nicht nur, was ihre künstlerischen
Aktivitäten angeht. Sie hat sich unters Volk und mitgemischt. Wie es der Zufall will, kennen sich beide recht gut. Daniela Weber kommt
vermutlich nicht völlig ahnungslos nach Gaildorf. Sie wird wissen, wie sehr die
Gaildorfer Anteil an ihrem Leben nehmen und hat das gestern Morgen live erlebt.
Ein Herr stand vor ihrer Tür, leider hat ihn Daniela Weber nicht verstanden.
Schwäbisch muss sie noch lernen. Das machte ihr der Erste Beigeordnete
Bartenbach klar: "Da kommen wir Ihnen nicht entgegen."
Gaildorf. Am Samstag sind sie angekommen: Daniela
Weber, die zwölfte Gaildorfer Stadtmalerin, und ihre Muse, der Briard-Mischling
Jeremy. Ein Jahr lang werden Künstlerin und Hund im Gaildorfer Schloss leben. In Berlin leben die Künstlerinnen Heike Walter und Sabena Daniela Weber,
Rufname Daniela, Tür an Tür. Was sie verbindet ist eine langjährige Freundschaft
und nun auch das Gaildorfer Stadtmaler-Stipendium: Heike Walter hat im letzten
Jahr als elfte Stadtmalerin im Alten Schloss gelebt und gewerkelt, Daniela Weber
gehört das Gaildorfer Jahr 2012. Der Wechsel gelang, wie man so schön sagt,
fließend: Rolf Deininger, der sich seit Jahren um die Stadtmaler kümmert, half
Heike Walter, ihre Sachen nach Berlin zu bringen und fuhr beladen mit Daniela
Webers Habseligkeiten zurück in den Süden. Ihr wichtigstes Mitbringsel spielt gerne Bettvorleger. Jeremy ist ein zwölf
Jahre alter Briard-Mischling, den Daniela Webers Freund Achim Sack einst
irgendwo bei Bonn auf der Autobahn einfing. Bei der Welpenjagd solls zu einem
mittleren Stau gekommen sein. Jeremy sei ihre Muse, sagt Daniela Weber. Als
Künstlerin sei sie - "das ist meine Schwierigkeit" - nicht auf ein Medium
festgelegt. Sie arbeite konzeptionell, verfolge und entwickle Ideen, und Jeremy
sei darin die Konstante: "Man setzt sich mit dem auseinander, was einen
betrifft", sagt sie, "Jeremy ist mein Lebensinhalt." Daniela Weber wird demnächst 37 Jahre alt. Geboren ist sie in Marl, das
Abitur hat sie auf dem zweiten Bildungsweg in Bremen gemacht. Wie Heike Walter
hat sie dort, allerdings zeitversetzt, bei Professor Rolf Thiele studiert. Noch
während des Studiums zog sie nach Berlin, kellnerte und begann dann beim
Theaterhaus Mitte zu jobben. In den letzten beiden Jahren hat sie diesen Job
intensiviert, einen schauspielmethodischen Grundkurs absolviert, bei
Theaterproduktionen mitgewirkt. Wie auch Heike Walter war sie an der Gründung
des Kulturpalast Wedding beteiligt. Als sie erfuhr, dass sie Heike Walters Nachfolgerin im Alten Schloss zu
Gaildorf werden würde, habe sie schnell viele Pläne gehabt, erzählt Daniela
Weber. Mittlerweile aber habe sie davon lieber wieder Abstand genommen. Sie
wolle abwarten, schauen, was passiert und sich einstweilen darum kümmern, dass
Jeremy in Gaildorf Freunde findet. Auch künstlerisch ist sie mit leichtem Gepäck angereist. Die deutsche
Erstausgabe der Frank Zappa-Liedtexte hat sie mitgebracht, ihren Duden,
unnötigerweise auch einen Weltatlas, eine Zeichnung und ein halbfertiges Bild,
von dem sie nicht weiß, ob sie es fertig malen wird, weil sie es nicht als Manko
empfindet, wenn ein Bild nicht fertig gemalt ist.
Eine Mappe fällt aus der Reihe
Berliner Künstlerin erhält 12. Gaildorfer Stadtmalerstipendium Gaildorf. Das Urteil der Jury war einhellig: Daniela Weber aus
Berlin erhält das zwölfte Stadtmalerstipendium der Stadt Gaildorf. Insgesamt
hatten sich 15 Künstlerinnen und Künstler aus ganz Deutschland beworben. Etwas mehr als eine Stunde benötigte die Jury für das zwölfte Gaildorfer
Stadtmalerstipendium, dann stand die Wahl fest. Die aus Marl stammende, in
Berlin lebende und arbeitende Künstlerin Daniela Weber wird im nächsten Jahr die
Künstlerwohnung im Torhaus des Alten Schlosses in Gaildorf beziehen und im
Stadtmaler-Atelier arbeiten. Kennenlernen kann man sie bereits am kommenden
Sonntag: Die 36-Jährige hat sich zur Eröffnung der Abschlussausstellung ihrer
Vorgängerin Katja Walter angekündigt. Die beiden Künstlerinnen kennen sich vom
Studium und von der gemeinsamen Arbeit im Kulturpalast Wedding. Bei der Wahl habe das allerdings keine Rolle gespielt, betonen die
Jury-Mitglieder. Für Reinhild Ahston, Verena Geiger, Michael Klenk, Sonja
Streng, Angelika Weingardt und Bärbel Ulmer war Webers Bewerbung schlicht
herausragend. Die Künstlerin hatte mehrere ausführliche Dokumentationen
verschiedener Projekte vorgelegt und schon in ihrem Bewerbungsschreiben zu
erkennen gegeben, dass sie sich nicht einfach um ein Stipendium bewerben möchte,
sondern um den möglichst fruchtbaren Kontakt mit einer neuen Umgebung. Welche Potenziale sich dadurch ergeben können, zeigt ein Blick in Webers
Bewerbungsmappe. Ein mit Tagebucheinträgen beschriebenes Zimmer ist darin
dokumentiert, ihre mit den Worten "ich habe im Studium nicht gemalt, außer am
Ende" kommentierte Diplomarbeit, ferner Fotos von Ausstellungen, Installationen
und von einer Hundeskulptur aus Butter, Sand und Schokoladenkuchen. Auch die Einrichtung eines Hotelzimmers in Bremen gehört dazu - "mit
Knoll-Sesseln", grinst Heike Walter, die ebenfalls in den Wurmbrandsaal gekommen
ist, und deutet auf ein Foto, auf dem ein Sessel zu sehen ist, dessen Design an
die Produkte des einstigen Gaildorfer Möbelherstellers erinnert. Webers Bewerbung liegt auch nicht in dem "Trend", der in der diesjährigen
Bewerbungsrunde sichtbar wird. Figürliche Darstellungen und eine Tendenz zum
Surrealismus seien erkennbar, stellt Michael Klenk fest. Bei durchwachsener
Qualität: Es gab meisterliche Bewerbungen ebenso wie epigonale, bei denen, wie
Klenk sagt, ein persönliches künstlerisches Profil nicht zu erkennen gewesen sei
und die deshalb schnell aussortiert wurden. Gestutzt und lange nachgedacht hat
die Jury bei den Mappen von Karin Brosa und Robert Matthes, beide Künstler leben
in Remseck. Ihre eigenwillig erzählenden Gemälde haben Brosa den zweiten Platz
verschafft. Anders als in den vergangenen Jahren wird sie nicht automatisch das
13. Stipendium erhalten. "Wir schreiben auch 2012 wieder aus,", sagt Rolf
Deininger vom Arbeitskreis, der sich um die Stadtmaler kümmert.
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