[ Startseite ] [ Aktuelles ] [ Die Stadtmaler ] [ Verbindungen / Kontakte ] [ Presseberichte ] [ Rückblick ] [Stipedium]


Autor: RICHARD FÄRBER | 23.03.2012

Erste Amtshandlung: Stadtmalerin Daniela Weber besucht Kindergarten Großaltdorf

Gaildorf.  Die Gaildorfer Stadtmalerin Daniela Weber war gestern erstmals amtlich unterwegs: Die Kinder des Kindergarten Großaltdorf bestaunten ihre Hundebilder und fragten sie Löcher in den Bauch.

Für Daniela Weber ist Gaildorf derzeit vor allem eine Hundestadt. Das liegt an Jeremy, ihrer vierbeinigen Muse, und an dessen vielen neuen Bekannten, die von der Stadtmalerin fotografiert, teilweise auch gemalt wurden. Und auf dem historischen Foto des Grafen Gottfried hat sie das "Bürschle von der Blau" vom Hocker stibitzt und durch Jeremy ersetzt; der längst verblichene Graf und der quicklebendige Mischling wirken auf der Montage wie alte Kumpels.

Die beiden Fotos, das alte und das "frisierte", hat Daniela Weber zu den anderen Hundebildern an die Wand des neuen Spielzimmers im Kindergarten Großaltdorf gehängt, wo sie aber kaum Beachtung finden. Die Mäuse- und die Käferkinder finden die vielen verschiedenen Hundepersönlichkeiten auf den Fotos viel interessanter, küren ihre persönlichen Lieblinge, und finden nach und nach heraus, dass es den Beagle gleich mehrmals gibt, sogar als Gemälde, und dass da noch vier vortreffliche Charakterporträts von Jeremy hängen, die Daniela Weber pingeligst mit der Stahlnadel gezeichnet hat.

Der Besuch - Webers erste Amtshandlung als Stadtmalerin - kommt nicht von ungefähr. Die 51 Drei- bis Sechsjährigen des Großaltdorfer Kindergartens haben ein Projekt mit dem Titel "Die Welt ist voller Farben" begonnen. Das ist wörtlich zu nehmen: Zwar wird auch gemalt, im Wesentlichen aber geht es darum, die Welt der Farben zu entdecken und auch die Menschen, die sich mit Farben beschäftigen - Künstler zum Beispiel. Und nachdem das Team um Kindergartenleitern Uta Michael die RUNDSCHAU-Berichte über die zwölfte Stadtmalerin studiert hatte, fiel eine Entscheidung: "Ich ruf da jetzt an", sagte die Praktikantin Tatjana Eichele.

Zwar zuckt die Konzeptkünstlerin etwas zusammen, als sie von Uta Michael als "Malerin" bezeichnet wird, mit den Kindern aber, die sich nicht für solche Kategorien interessieren, sondern erzählen, was sie sehen und sagen, was sie denken, wird sie schnell warm. Und umgekehrt: Irgendwann fällt ein neugieriger Kinderblick auf das Bild einer Chimäre, halb Mensch, halb Hund, das Daniela Weber mit an die Wand gehängt hat, und da gibt’s natürlich viel zu fragen, und schließlich entdecken die Kinder auch ein Gemälde, das die Stadtmalerin etwas abseits aufgestellt hat. Es zeigt einen doppelten Jeremy und eine doppelte Daniela, einmal mit nach oben gerecktem Gesicht und einmal - "sagt ihr so?" - beim "Spinne machen". Sie habe einfach aus vier Fotos ein Bild gemalt, erklärt Daniela Weber, und grinst: Nein, das da unten ist keine Tasche, sondern ein Gesicht.

Autor: Cornelia Kaufhold | 19.01.2012

Gaildorf.  Jeremy will nichts als seine Ruhe. Die kann er in Gaildorf haben. Sein Frauchen ist mit ihm von Berlin hierher übergesiedelt. Sie ist die Stadtmalerin.

Gemütlich trottetet er über die Kocherbrücke, ohne Leine. In Berlin darf er als freier Hund laufen. In Gaildorf ist das ein zweifelhaftes Vergnügen, wie er gestern bei einer Begegnung mit einem ungemütlichen Schäferhund feststellen musste. Um Martin Zechas Blumenladen macht er auch schon einen großen Bogen. Den Laden bewacht eine wehrhafte Katze. Was helfen 35 Kilo Lebendgewicht gegen gut geschärfte Krallen. . . - Der Empfang für Frauchen gestern Nachmittag im Rathaus war dagegen ganz nach Jeremys Geschmack. Er hatte - bis auf den Fototermin - seine Ruhe. Es ging nur um Frauchen. Er ist lediglich ihr Markenzeichen. Als 12. Stadtmalerin hat sie ein Stipendium für ein Jahr und keinerlei Verpflichtungen, theoretisch zumindest. Im Häberlen kann sie mal öfter ausstellen und bei der IG Kunst. Beim Empfang kommt ziemlich schnell die Rede auf ihre Vorgängerin Heike Walter. Sie hat die Messlatte hoch gelegt, nicht nur, was ihre künstlerischen Aktivitäten angeht. Sie hat sich unters Volk und mitgemischt.

Wie es der Zufall will, kennen sich beide recht gut. Daniela Weber kommt vermutlich nicht völlig ahnungslos nach Gaildorf. Sie wird wissen, wie sehr die Gaildorfer Anteil an ihrem Leben nehmen und hat das gestern Morgen live erlebt. Ein Herr stand vor ihrer Tür, leider hat ihn Daniela Weber nicht verstanden. Schwäbisch muss sie noch lernen. Das machte ihr der Erste Beigeordnete Bartenbach klar: "Da kommen wir Ihnen nicht entgegen."

Autor: RICHARD FÄRBER | 17.01.2012

 Gaildorf.  Am Samstag sind sie angekommen: Daniela Weber, die zwölfte Gaildorfer Stadtmalerin, und ihre Muse, der Briard-Mischling Jeremy. Ein Jahr lang werden Künstlerin und Hund im Gaildorfer Schloss leben.

In Berlin leben die Künstlerinnen Heike Walter und Sabena Daniela Weber, Rufname Daniela, Tür an Tür. Was sie verbindet ist eine langjährige Freundschaft und nun auch das Gaildorfer Stadtmaler-Stipendium: Heike Walter hat im letzten Jahr als elfte Stadtmalerin im Alten Schloss gelebt und gewerkelt, Daniela Weber gehört das Gaildorfer Jahr 2012. Der Wechsel gelang, wie man so schön sagt, fließend: Rolf Deininger, der sich seit Jahren um die Stadtmaler kümmert, half Heike Walter, ihre Sachen nach Berlin zu bringen und fuhr beladen mit Daniela Webers Habseligkeiten zurück in den Süden.

Ihr wichtigstes Mitbringsel spielt gerne Bettvorleger. Jeremy ist ein zwölf Jahre alter Briard-Mischling, den Daniela Webers Freund Achim Sack einst irgendwo bei Bonn auf der Autobahn einfing. Bei der Welpenjagd solls zu einem mittleren Stau gekommen sein. Jeremy sei ihre Muse, sagt Daniela Weber. Als Künstlerin sei sie - "das ist meine Schwierigkeit" - nicht auf ein Medium festgelegt. Sie arbeite konzeptionell, verfolge und entwickle Ideen, und Jeremy sei darin die Konstante: "Man setzt sich mit dem auseinander, was einen betrifft", sagt sie, "Jeremy ist mein Lebensinhalt."

Daniela Weber wird demnächst 37 Jahre alt. Geboren ist sie in Marl, das Abitur hat sie auf dem zweiten Bildungsweg in Bremen gemacht. Wie Heike Walter hat sie dort, allerdings zeitversetzt, bei Professor Rolf Thiele studiert. Noch während des Studiums zog sie nach Berlin, kellnerte und begann dann beim Theaterhaus Mitte zu jobben. In den letzten beiden Jahren hat sie diesen Job intensiviert, einen schauspielmethodischen Grundkurs absolviert, bei Theaterproduktionen mitgewirkt. Wie auch Heike Walter war sie an der Gründung des Kulturpalast Wedding beteiligt.

Als sie erfuhr, dass sie Heike Walters Nachfolgerin im Alten Schloss zu Gaildorf werden würde, habe sie schnell viele Pläne gehabt, erzählt Daniela Weber. Mittlerweile aber habe sie davon lieber wieder Abstand genommen. Sie wolle abwarten, schauen, was passiert und sich einstweilen darum kümmern, dass Jeremy in Gaildorf Freunde findet.

Auch künstlerisch ist sie mit leichtem Gepäck angereist. Die deutsche Erstausgabe der Frank Zappa-Liedtexte hat sie mitgebracht, ihren Duden, unnötigerweise auch einen Weltatlas, eine Zeichnung und ein halbfertiges Bild, von dem sie nicht weiß, ob sie es fertig malen wird, weil sie es nicht als Manko empfindet, wenn ein Bild nicht fertig gemalt ist.

Bericht : RICHARD FÄRBER \ 16.11.2011

Eine Mappe fällt aus der Reihe

Berliner Künstlerin erhält 12. Gaildorfer Stadtmalerstipendium

Gaildorf.  Das Urteil der Jury war einhellig: Daniela Weber aus Berlin erhält das zwölfte Stadtmalerstipendium der Stadt Gaildorf. Insgesamt hatten sich 15 Künstlerinnen und Künstler aus ganz Deutschland beworben.

Etwas mehr als eine Stunde benötigte die Jury für das zwölfte Gaildorfer Stadtmalerstipendium, dann stand die Wahl fest. Die aus Marl stammende, in Berlin lebende und arbeitende Künstlerin Daniela Weber wird im nächsten Jahr die Künstlerwohnung im Torhaus des Alten Schlosses in Gaildorf beziehen und im Stadtmaler-Atelier arbeiten. Kennenlernen kann man sie bereits am kommenden Sonntag: Die 36-Jährige hat sich zur Eröffnung der Abschlussausstellung ihrer Vorgängerin Katja Walter angekündigt. Die beiden Künstlerinnen kennen sich vom Studium und von der gemeinsamen Arbeit im Kulturpalast Wedding.

Bei der Wahl habe das allerdings keine Rolle gespielt, betonen die Jury-Mitglieder. Für Reinhild Ahston, Verena Geiger, Michael Klenk, Sonja Streng, Angelika Weingardt und Bärbel Ulmer war Webers Bewerbung schlicht herausragend. Die Künstlerin hatte mehrere ausführliche Dokumentationen verschiedener Projekte vorgelegt und schon in ihrem Bewerbungsschreiben zu erkennen gegeben, dass sie sich nicht einfach um ein Stipendium bewerben möchte, sondern um den möglichst fruchtbaren Kontakt mit einer neuen Umgebung.

Welche Potenziale sich dadurch ergeben können, zeigt ein Blick in Webers Bewerbungsmappe. Ein mit Tagebucheinträgen beschriebenes Zimmer ist darin dokumentiert, ihre mit den Worten "ich habe im Studium nicht gemalt, außer am Ende" kommentierte Diplomarbeit, ferner Fotos von Ausstellungen, Installationen und von einer Hundeskulptur aus Butter, Sand und Schokoladenkuchen.

Auch die Einrichtung eines Hotelzimmers in Bremen gehört dazu - "mit Knoll-Sesseln", grinst Heike Walter, die ebenfalls in den Wurmbrandsaal gekommen ist, und deutet auf ein Foto, auf dem ein Sessel zu sehen ist, dessen Design an die Produkte des einstigen Gaildorfer Möbelherstellers erinnert.

Webers Bewerbung liegt auch nicht in dem "Trend", der in der diesjährigen Bewerbungsrunde sichtbar wird. Figürliche Darstellungen und eine Tendenz zum Surrealismus seien erkennbar, stellt Michael Klenk fest. Bei durchwachsener Qualität: Es gab meisterliche Bewerbungen ebenso wie epigonale, bei denen, wie Klenk sagt, ein persönliches künstlerisches Profil nicht zu erkennen gewesen sei und die deshalb schnell aussortiert wurden. Gestutzt und lange nachgedacht hat die Jury bei den Mappen von Karin Brosa und Robert Matthes, beide Künstler leben in Remseck. Ihre eigenwillig erzählenden Gemälde haben Brosa den zweiten Platz verschafft. Anders als in den vergangenen Jahren wird sie nicht automatisch das 13. Stipendium erhalten. "Wir schreiben auch 2012 wieder aus,", sagt Rolf Deininger vom Arbeitskreis, der sich um die Stadtmaler kümmert.

Überaus zufrieden ist man mit der Resonanz auf die Ausschreibung. Die Bewerbungen kamen aus ganz Deutschland, eine gar aus der benachbarten Schweiz. Keine dieser Bewerbungen sei richtig schlecht gewesen, sagt Klenk. Dass das monatliche Salär der Stadtmaler von 300 auf 500 Euro erhöht wurde, dürfte dabei nur eine geringe Rolle gespielt haben, mutmaßt der Künstler und Leiter der Haller Akademie der Künste. Das Interesse zeige, dass Gaildorf sich in der Kunstszene einen Namen, ein Renommee erarbeitet habe.